Einfache Übungen für zu Hause bringen Patienten mit Lagerungsschwindel ins Gleichgewicht

Lagerschwindel tritt vor allem nach Bewegungen des Kopfes ein
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Immer wenn sich kleine Kristalle, sogenannte Otolithen, aus ihrer Halterung im Innenohr lösen und in andere Teile des Gleichgewichtsorgans verirren, entsteht der sogenannte Lagerungsschwindel. Betroffene leiden unter der plötzlichen Attacke, die charakteristisch kurz nach einer Bewegung auftritt und für etwa 30 Sekunden anhält. „Diese gutartige Schwindelform ist zwar harmlos, aber äußerst unangenehm“, weiß Dr. Bodo Schiffmann, Schwindelexperte, HNO-Arzt und Leiter der Schwindelambulanz Sinsheim. Warum die kleinen Ohrsteinchen abfallen, lässt sich nicht eindeutig klären. Experten wissen dafür umso genauer, mit welchen gezielten Übungen Patienten die Kristalle wieder in die richtige Bahn manövrieren.

Wenn sich plötzlich alles dreht

Normalerweise liegen Otolithen fest verankert in einer gallertartigen Membran im Gleichgewichtsorgan, auch Vestibularapparat genannt. Kommt es zu einer Verlagerung des Kopfes, beispielsweise beim Blick nach oben oder nach unten, können die Ohrsteinchen abfallen und in der Flüssigkeit des Gleichgewichtsorgans umhertreiben. „Auf ihrem Weg durch den etwa ein Cent großen Vestibularapparat können die Kristalle in die Bogengänge, die normalerweise Drehbewegungen registrieren, abtreiben. Stoßen sie dort an die Cupula, biegen sie den sensiblen Fühler, besetzt mit Haar- und Sinneszellen, um. Diese folgenschwere Mini-Kollision löst die Schwindelattacke aus“, erklärt Dr. Schiffmann.

Gleichgewichtsübungen stoppen Schwindelanfälle

Um das Gleichgewicht wiederherzustellen und die kristallinen Steinchen zurück an ihren Ursprungsort zu lenken, helfen bestimmte Lagerungsübungen. Dabei kommen je nachdem, in welchem der drei Bogengänge (vorderer, hinterer oder horizontaler) sich die Otolithen befinden, verschiedene Manöver zum Einsatz.

1. Befreiungsmanöver für den hinteren Bogengang

Um festzustellen, ob Patienten überhaupt unter einem Lagerungsschwindel leiden, kommt das sogenannte Semont-Manöver oder Befreiungsmanöver zum Einsatz. Dazu setzen sich Patienten am besten auf die Bettkante und drehen den Kopf zunächst leicht, um etwa 45 Grad, nach rechts. Anschließend lassen sie sich auf die linke Seite fallen, sodass das linke Ohr die Matratze berührt und die Nasenspitze nach oben zeigt. In dieser Position kurz verweilen. Verspüren Patienten nun einen starken Schwindel, der aber nach 30 Sekunden wieder verschwindet, liegt mit ziemlicher Sicherheit ein Lagerungsschwindel vor. Um sich davon zu befreien, sollten Patienten die rechtsgerichtete Kopfposition beibehalten, sich aufrichten und auf die gegenüberliegende Seite fallen lassen. Jetzt befindet sich das linke Ohr oben und die Nasenspitze zeigt nach unten. Erneut kurz verharren, bis der Schwindel komplett abgeklungen ist und ohne die Kopfposition zu verändern aufrichten. Um den Erfolg zu kontrollieren, erfolgt eine schnelle Kopfbewegung ins Genick, bei gerader Kopfposition.

2. Lagerungsmanöver für alle drei Bogengänge

Gerade auf den Rücken legen und den Kopf etwa 45 Grad nach links drehen. Dann den Oberkörper wie bei einem Sit-up aufrichten und den Oberkörper nach vorn beugen. Natürlich nur so weit es geht. Dabei bleibt der Kopf die ganze Zeit in der 45-Grad-Stellung und Betroffene verharren in dieser Position einige Sekunden, bis sich nichts mehr dreht. Anschließend den Oberkörper wieder ablegen und den Kopf zur Gegenseite drehen.

„Bleiben Beschwerden jedoch bestehen, können die Übungen nach zwei bis drei Stunden wiederholt werden. Tritt dann keine Besserung ein, muss eine weitere ärztliche Abklärung erfolgen, da ein Lagerungsschwindel alleine als Ursache sehr unwahrscheinlich ist”, betont der Schwindelexperte abschließend.

Schwindelambulanz Sinsheim

Weitere Informationen unter www.schwindelambulanz-sinsheim.de