Die Pandemie und die damit einhergehenden Einschränkungen stellen seit mittlerweile einem Jahr das gesellschaftliche Zusammenleben sowie den Erhalt der individuellen psychischen und physischen Gesundheit vor neue Herausforderungen. In einem qualitativen Literaturreview, das diverse evidenzbasierte Ansätze aus dem Bereich der Complementary and Integrative Medicine (CIM) prägnant zusammenfasst, präsentieren die Autor*innen ein Konglomerat an Möglichkeiten, das Immunsystem zu stärken und den psychischen Herausforderungen zu begegnen. Das Gute daran: Jeder kann diese Möglichkeiten im Alltag umsetzen.

Diese fünf Säulen der integrativen Medizin können helfen, die psychische und körperliche Gesundheit trotz Pandemie zu wahren.
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1. Ernährung

Eine vollwertige Ernährung sowie die Zufuhr von Mikronährstoffen bei Mangelerscheinungen stellen einen wichtigen Baustein in der Stärkung bzw. Aufrechterhaltung physischer Resilienz dar, wie die Autor*innen ausführlich verdeutlichen. Eine pflanzenbasierte Ernährung ist für die Gesunderhaltung zu empfehlen. Klinische Studien zeigen zudem, dass sowohl die Häufigkeit als auch die Schwere von Erkrankungen durch Ernährungsgewohnheiten beeinflusst wird. Auch den Risikofaktoren für den schweren Verlauf einer Erkrankung, wie Übergewicht und chronische Krankheiten, kann durch eine vollwertige, pflanzenbasierte Ernährung wirksam begegnet werden. Aus dem Bereich der Mikronährstoffe sind insbesondere Vitamin C und Vitamin D als entscheidend für ein starkes Immunsystem einzustufen, somit erscheint die Supplementierung mit diesen Mikronährstoffen als sinnvoll, sofern durch Laborbefunde des Blutes ein Mangel nachgewiesen wird.

2. Mind-Body Medizin

Die Stärkung der Selbstwirksamkeit des Patienten steht im Rahmen des Ansatzes der Mind-Body Medizin im Vordergrund. Programme der Mind-Body Medizin, die Ernährungsberatung, Sport und Entspannungsverfahren beinhalten, kombinieren diverse Maßnahmen aus der Integrativen Medizin, die erwiesenermaßen physiologische Stressparameter senken und die psychische Befindlichkeit verbessern. Die Autor*innen stellen heraus, dass in diversen klinischen Studien der positive Effekt von Interventionen auf die psychische und physische Resilienz nachgewiesen wurde. Multimodale Programme aus der Mind-Body Medizin werden sowohl zur allgemeinen Stärkung des Immunsystems eingesetzt als auch im Rahmen adjuvanter Maßnahmen bei der Behandlung chronischer Erkrankungen sind somit sowohl als präventive Maßnahme als auch als adjuvante Therapieform wirksam.

3. Positive Lebenseinstellung und soziale Kontakte

Ein sinnerfülltes Leben und eine positive Einstellung haben nicht nur Auswirkungen auf die psychische Gesundheit, sondern sind auch für ein starkes Immunsystem entscheidend. Studien belegen, dass eine positive Grundhaltung zum eigenen Leben die Risikofaktoren für chronische Erkrankungen, wie Hypertonie und kardiovaskuläre Erkrankungen reduziert. Stabilität und Eingebundensein in zwischenmenschlichen Beziehungen sind für den Menschen als soziales Wesen ebenfalls eine entscheidende Komponente der Gesunderhaltung. Somit können Isolation durch Kontaktbeschränkungen und Quarantäne einen negativen Effekt auf die Gesamtgesundheit haben, dem jedoch durch neue Möglichkeiten des Zusammentreffens, beispielsweise online, entgegengewirkt werden kann.

4. Bewegung und Sport

Die Evidenzlage zur Wirksamkeit von Bewegung und Sport für ein starkes Immunsystem ist durch diverse Metaanalysen und Systematische Reviews bestätigt. Körperliche Betätigung als eine Säule der Integrativen Medizin ist somit elementar, um Krankheiten vorzubeugen und die psychische Verfassung trotz widriger äußerer Umstände stabil zu halten.

5. Waldbaden

Der Aufenthalt in der Natur hat nicht nur eine stärkende Funktion für die physische und psychische Resilienz, sondern wird mittlerweile unter dem Konzept des ‚Waldbadens‘ als therapeutische Intervention bei diversen Krankheitszuständen erfolgreich eingesetzt. Klinische Studien in diesem Bereich zeigen eine Vielzahl von positiven Effekten therapeutischer Naturaufenthalte, beispielsweise Stressreduktion und Blutdrucksenkung.

6. Aromatherapie

Die Aromatherapie zeigt nicht nur Wirksamkeit bei der Linderung von Angstgefühlen, sondern wird durch Forschungsergebnisse aus den Grundlagenwissenschaften, zu Terpenen beispielsweise, auch für den präventiven Einsatz zur Immunsystemstärkung wie auch zur Linderung von Symptomen bei leichten bis mittleren Infektionskrankheiten relevant.

7. Schlaf

Schlafstörungen werden in der klinischen Forschung mit einem Anstieg von Atemwegserkrankungen in Zusammenhang gebracht. Diverse Maßnahmen aus der Integrativen Medizin, wie Atemübungen, Entspannungstechniken, Yoga, Aromatherapie mit Lavendelöl, verbessern nachweislich die Schlafqualität.

8. Phytotherapie

Die Anwendung verschiedener Kräuter bei der Behandlung von viralen Infektionen ist eine weit verbreitete Intervention mit langer Tradition in den unterschiedlichen Medizinsystemen weltweit.

Ursula Heim, M.A., Weitere Informationen unter www.carstens-stiftung.de

Seifert, Georg, et al. “The relevance of complementary and integrative medicine in the COVID-19 pandemic: a qualitative review of the literature.” Frontiers in Medicine 7 (2020) 

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