Gefährdete Menschen sollen jetzt früher geimpft werden

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Umfragen zufolge ist hierzulande die Mehrheit der Bevölkerung bereit, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen. Doch wann ist es soweit? Die Ungeduld wächst. Im „Corona-Impfgipfel“ Anfang Februar ging es daher unter anderem um die heikle Frage der Priorisierung: wer ist zuerst zum Impfen dran?

Trotz der Lieferengpässe bei den Impfstoffen hält Bundeskanzlerin Angela Merkel an der Zusage fest, bis zum Ende des Sommers jedem Bürger ein Impfangebot machen zu können. Merkel bekräftigte ihre Aussage, dass „wir bis Ende des dritten Quartals jedem Bürger ein Impfangebot machen können“. Nach den Spitzenberatungen von Bund, Ländern und Pharmaindustrie verlautete, dass die Zusage selbst dann erfüllt werde, wenn die beiden Pharmahersteller Johnson&Johnson sowie CureVac anders als erwartet keine Zulassung für die von ihnen entwickelten Impfstoffe erhielten. Um die Impfungen besser planen zu können, wollten Bund und Länder nun einen „nationalen Impfplan“ aufstellen.

Aus den fünf Priorisierungsgruppen der Ständigen Impfkommission am Robert-Koch-Institut hat das Bundesgesundheitsministerium drei Abteilungen mit höchster, hoher und erhöhter Priorität gebildet. Das „Personal in medizinischen Einrichtungen mit hohem oder erhöhtem Risiko“, also alle niedergelassenen Ärzte, gehören zur Gruppe zwei. Die Stratifizierung der Impfgruppen finden Sie in nebenstehender Tabelle.

Was in jahrzehntelangen Diskussionen über den GKV-Leistungskatalog nicht gelungen ist, wird nun per Rechtsverordnung über Nacht Realität: die Priorisierung einer medizinischen Leistung nach den zur Verfügung stehenden Ressourcen des Gesundheitssystems. Das ist ein Paradigmenwechsel in der gesundheitspolitischen Geschichte der Bundesrepublik.

Das Risiko schwerer Verläufe und nicht das Infektionsrisiko entscheidet über die Priorisierung

Mertens verwies auf die hohe Priorisierung der Ärzte in Gruppe 2 der Liste. „Nach unserer Bewertung sind die Ärzte in Gruppe zwei richtig platziert. Wir haben uns vor allem an das Risiko der Erkrankung gehalten und erst in zweiter Linie an das Risiko der Infektion. Wir haben die verfügbare Literatur angeschaut und intensiv diskutiert. Das publizierte Risiko von Ärzten und anderen Berufsgruppen wie z.B. der Lehrer wurde so gewichtet, dass die veröffentlichte Reihenfolge entstanden ist“, erklärt Mertens. Begriffe wie Wertschätzung hätten bei der Einordnung in eine Priorisierungsgruppe keine Rolle gespielt.

Die einzige aktuelle Veränderung betrifft Gruppe zwei. Nach Informationen des ARD-Hauptstadtstudios sind nun auch Menschen mit schweren Vorerkrankungen wie Diabetes mit hohen Blutzuckerwerten, bestimmte Krebspatienten sowie Patienten mit chronischen Leber- oder Nierenerkrankungen oder mit sehr starkem Übergewicht in Gruppe zwei.

Franz-Günter Runkel, Chefreporter UroSkop