Im Rahmen einer ganz besonderen digitalen Veranstaltung wurden von der ÖGHM gemeinsam mit Schwabe Austria gleich zwei herausragende Forschungsarbeiten im Bereich der Homöopathie mit dem Dr. Peithner Preis prämiert.

 Im Rahmen einer ganz besonderen digitalen Veranstaltung wurden von der ÖGHM gemeinsam mit Schwabe Austria gleich zwei herausragende Forschungsarbeiten im Bereich der Homöopathie mit dem Dr. Peithner Preis prämiert
© Florian FeuchtnerMedia Productions

Normalerweise vergibt die Österreichische Gesellschaft für homöopathische Medizin (ÖGHM) den Dr. Peithner Wissenschaftspreis im Bereich der Homöopathie-Forschung im Rahmen ihrer Jahrestagung. Dieses Jahr ist das aufgrund der Covid-Einschränkungen nicht möglich gewesen. Daher gab es gleich zwei Besonderheiten im Rahmen der Verleihung des renommierten Forschungspreises: „Wir haben aus der Not eine Tugend gemacht”, sagt dazu ÖGHM-Präsident Dr. Volker Neubauer und spricht damit die hochwertige Onlinetagung an, auf der dieses Jahr der Dr. Peithner Preis vergeben wurde. „Auch wenn ich den persönlichen Kontakt sehr schätze, ist der Vorteil einer solchen digitalen Veranstaltung nicht zu leugnen: Wir erreichen viel mehr Menschen, als es uns bei einer Veranstaltung vor Ort möglich gewesen wäre”, sagt dazu Neubauer, der ebenso Teil der Jury des Dr. Peithner Preises ist.

Und das Interesse an der diesjährigen digitalen Verleihung des Dr. Peithner Preises für Forschung war ein reges: Immerhin wurde der Preis heuer gleich zwei Mal verliehen. „Das ist eine Besonderheit, die darauf zurück zu führen ist, dass aufgrund des erstens Lockdowns im Frühjahr 2020 die Prämierung letztes Jahr ausgefallen ist”, erklärt Dr. Fritz Gamerith, Schwabe Austria Geschäftsführer und Jury-Mitglied des Dr. Peithner Preises die diesjährige Besonderheit. „So konnten wir den Dr. Peithner Preis nicht nur für zwei herausragende wissenschaftliche Arbeiten vergeben, sondern die Verleihung aufgrund intensiver Vorbereitungen und hochwertigen Digitalstrategien einem besonders großen, internationalen Teilnehmerkreis zugänglich machen.”

Evidenz homöopathischer Behandlungen von Infektionen

Eine der prämierten Arbeiten ist der narrative Review „Evidenzbasierte Veterinär-/Homöopathie und ihre mögliche Bedeutung für die Bekämpfung der Antibiotikaresistenzproblematik”, der im vergangenen Oktober in einem konventionellen peer-reviewed Journal veröffentlicht worden ist. Hauptautorin Dr. Petra Weiermayer stellte für die Arbeit gemeinsam mit Veterinärkollegin Dr. Liesbeth Ellinger und den Humanmedizinern Dr. Thomas Peinbauer sowie ao. Univ.-Prof. Dr. Michael Frass differenziert die Faktenlage der Evidenz für die Wirksamkeit der Human- und Veterinär-Homöopathie im Allgemeinen sowie die Evidenz homöopathischer Behandlungen von Infektionen im Speziellen dar.

„Die Antibiotikareduktion ist eines der ganz wichtigen Themen in der heutigen Medizin”, sagt dazu Dr. Fritz Gamerith. „Alles, was es möglich macht, dass Patientinnen und Patienten ohne Antibiotika auskommen, hilft uns in der Zukunft. Und nachdem die Homöopathie in Österreich glücklicherweise in medizinischen Händen ist, können sich Patientinnen und Patienten überdies immer sicher sein, Antibiotika zu bekommen, sollten diese trotz homöopathischer Behandlung angezeigt sein.”

Homöopathie im Sinne einer integrativen Medizin verankern

„Neben der differenzierten Klarstellung der Faktenlage, die Evidenz für die Wirksamkeit der Human- und Veterinär-Homöopathie im Allgemeinen und im Speziellen bei homöopathischen Behandlungen von Infektionen zeigt, haben wir in dem Review auch noch evidenzbasiert Kritik an den Vorgehensweisen und der Wissenschaftskommunikation beim zweiten Australischen National Health and Medical Research Council-Report geübt”, so die Hauptautorin Dr. Petra Weiermayer, die als Fachtierärztin für Homöopathie tätig, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Veterinärmedizinische Homöopathie (ÖGVH) und ebenso Sprecherin der Sektion Forschung der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Homöopathie (WissHom) ist.

„Die Arbeit muss vor allem im Kontext des großen Problems der Antibiotikaresistenzen gesehen werden”, sagt dazu der ehemalige European Committee for Homeopathy (ECH)-Präsident und Arzt für Allgemeinmedizin Dr. Thomas Peinbauer, den zu Beginn seiner Karriere der wissenschaftliche Aspekt zur Homöopathie geführt und der den Review mit verfasst hat. „Ich hatte dabei nie einen Konflikt zwischen der konventionellen Medizin und der Homöopathie. Das ist für mich immer ganz selbstverständlich nebeneinander gestanden. Für mich war und ist seit jeher wichtig, dass wir es schaffen, uns im Sinne einer integrativen Medizin zu verankern”, so Dr. Peinbauer.

Es braucht gut gemachte Studien

Für diese Verankerung ist es laut Dr. Volker Neubauer auch von besonderer Wichtigkeit, „dass wir in der häufig aufgeheizten Diskussion rund um die Wirksamkeit der Homöopathie gut gemachte Studien zur Hand haben.” Gerade der Bereich der Nutztierpraxis könne hier ein wichtiger für die fundamentale Homöopathie-Forschung sein, sagt dazu die niederländische Tierärztin Dr. Liesbeth Ellinger, die ebenfalls an dem Review mitgearbeitet hat: „Denn gerade in diesem Bereich der Veterinärmedizin sind große Studien möglich, die die Wirksamkeit der Homöopathie über den viel zitierten Placebo-Effekt hinaus zeigen können: Nutztiere leben meist unter identen Umständen zusammen, potenzielle Einflussfaktoren sind somit minimiert  – hier können wir sehr gut überprüfen, welche Auswirkungen homöopathische Arzneimittel haben. Gerade in Anbetracht der Erfolge der veterinärmedizinischen Homöopathie, wobei der Verabreicher in vielen Fällen nicht direkt mit dem Tier in Verbindung tritt, zum Beispiel bei Verabreichung des homöopathischen Arzneimittels über das Trinkwasser – wie es in der Nutztierpraxis oftmals gängige Praxis ist – ist die Aussage, die Wirksamkeit der Homöopathie beruhe auf der Zuwendung zum Patienten’, nicht haltbar.”

Hauptautorin Dr. Weiermayer betont darüber hinaus, dass sich Wissenschaft und die klassische homöopathische Arbeit sehr gut vereinen ließen. „Das beginnt bereits dabei, hochqualitative Fallberichte zu publizieren. Damit können Möglichkeiten aufgezeigt werden. Aber in einem Fallbericht lässt sich niemals ein Wirksamkeitsnachweis erbringen. Das gelingt nur durch randomisierte, doppelblinde und kontrollierte Studien, die in der Homöopathie herausfordernd, aber machbar sind. Für die Qualitätssicherung weiterer Studien ist deren Durchführung an universitären Einrichtungen eine Voraussetzung, was aber erst durch die bessere Integration der Homöopathie an den Universitäten möglich werden kann. Diese absolut notwendige Konsequenz ist in der Schweiz gemäß Medizinalberufegesetz für Unterricht und Forschung an der Universität gesetzlich verankert. Diese Forderung im Sinne der Patienten nach integrativer Medizin an den Universitäten ist unser großes Anliegen!”, so Dr. Weiermayer.

Dass die Durchführung hochqualitativer Studien im Bereich der Homöopathie möglich ist, beweist der Facharzt für Innere Medizin und Internistische Intensivmedizin ao. Univ.-Prof. Dr. Michael Frass immer wieder aufs Neue. Der Homöopath und Präsident des Österreichischen Dachverbands für Ärztliche Ganzheitsmedizin sowie Vorsitzender der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Homöopathie, der für seine hochwertigen Forschungen rund um die Homöopathie international bekannt ist, ist nicht nur Co-Autor von Dr. Weiermayers Review, sondern wurde dieses Jahr selbst mit dem Dr. Peithner Preis ausgezeichnet. Er hat mit einer prospektiven, randomisierten, placebokontrollierten, doppelblinden, dreiarmigen und multizentrischen Studie belegt, dass die homöopathische Behandlung als Zusatztherapie bei Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkrebs die Lebensqualität signifikant im Vergleich zur Placebo-Gruppe verbessert und das Überleben in der Homöopathie-Gruppe im Vergleich zur Placebo- sowie zur Kontrollgruppe ein signifikant längeres ist.

Weitere Informationen unter www.homoeopathie.at