WIdO-Versorgungs-Report „Klima und Gesundheit“

Stress, heftige allergische Reaktionen, mehr Hitzetote und neue Viruserkrankungen – der Klimawandel wirkt sich direkt auf unsere Gesundheit aus, betont Meteorologin und Epidemiologin, Dr. Alexandra Schneider. Die Expertin am Institut für Epidemiologie/Helmholtz Zentrum München ist Mit-Herausgeberin des aktuellen Versorgungs-Reports „Klima und Gesundheit“ des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO).

Unter dem Klimawandel leidet nicht nur unsere Umwelt, wie dieses Bild zeigt, sondern auch unsere Gesundheit. ©aok.de

Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts ist die globale Mitteltemperatur um etwa 1,2 Grad Celsius angestiegen, so Schneider weiter. In Deutschland betrug die Erwärmung im gleichen Zeitraum sogar zwei Grad Celsius. Verantwortlich für die Erwärmung sind die durch den Menschen verursachten Emissionen von Treibhausgasen wie zum Beispiel Kohlendioxid, Methan, Lachgas und troposphärisches Ozon. „Die ganze Tragweite des menschengemachten Klimawandels lässt sich vor allem an der Zunahme von Extremwetterereignissen erkennen wie zum Beispiel häufigere Dürreperioden mit dennoch vermehrten Starkregenereignissen, intensivere Hitzeperioden, eine steigende Zahl von starken Stürmen und vermehrt auftretende Waldbrände“, sagt Schneider. „Schleichende Veränderungen dieser Art erfahren wir hierzulande schon heute, wie weniger Frost und Schnee im Winter, aber auch insgesamt häufigere, intensivere und kurzfristigere Temperaturschwankungen.“

Zunehmende Hitzeperioden

Der WIdO-Versorgungs-Report „Klima und Gesundheit“ zeigt auf, wie stark der Klimawandel die Gesundheit der Menschen beeinträchtigt. Am Beispiel der zunehmenden Hitzeperioden hat das Klimaforschungsinstitut Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) untersucht, wie viele Krankenhauseinweisungen in den Jahren 2008 bis 2018 auf die Hitze zurückzuführen waren. Jeder vierte AOK-Versicherte über 65 Jahre ist demnach überdurchschnittlich gefährdet, an heißen Tagen gesundheitliche Probleme zu bekommen und deshalb ins Krankenhaus zu müssen. An Hitzetagen mit über 30 Grad Celsius kam es hitzebedingt zu drei Prozent mehr Krankenhauseinweisungen in dieser Altersgruppe. Wenn die Erderwärmung ungebremst voranschreitet, dann könnte sich bis zum Jahr 2100 die Zahl der hitzebedingten Klinikeinweisungen versechsfachen.

Ältere Männer mit Vorerkrankungen besonders gefährdet

Besonders hitzegefährdet sind Menschen mit Demenz und Alzheimer sowie anderen Erkrankungen wie zum Beispiel Niereninsuffizienz, Depressionen, Diabetes und chronischen Atemwegserkrankungen, insbesondere ältere Männer mit Vorerkrankungen. Die erhöhte Gefährdung der Demenz- und Alzheimerkranken könnte mit einem erhöhten Risiko einer Dehydrierung zusammenhängen.

Deutliche Veränderungen auch in weniger heißen Regionen

Auch wer heute in einer weniger heißen Region wie etwa im Norden Deutschlands lebt, könnte zukünftig deutliche Veränderungen erleben. Vor allem dann, wenn der Klimawandel ungebremst voranschreitet. Deshalb sei es dringend notwendig, wirkungsvolle Anpassungsstrategien weiter zu erforschen und die potenziellen gesundheitlichen Vorteile, die mit Klimaschutzmaßnahmen einhergehen, besser zu untersuchen, fordert Schneider. Es sei unumstritten, dass Klimaschutzmaßnahmen positive Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Die Reduktion von Schadstoffen in der Luft wirke sich beispielsweise unmittelbar auf die Häufigkeit chronischer Erkrankungen aus. Darüber hinaus trägt die Förderung des Radfahrens, Zu-Fuß-Gehens und der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel zur Steigerung der körperlichen Aktivität bei.

Gesundheitsschutz und Prävention verstärken

Die gesundheitlichen Auswirkungen des Klimawandels erfordern künftig verstärkt Maßnahmen im Bereich Gesundheitsschutz und Prävention. Diese Schlussfolgerung lässt sich anhand einer deutschlandweiten Befragung durch das WIdO ziehen. „Ziel unserer Befragung war eine Bestandsaufnahme zum Informationsstand und Schutzverhalten der Bevölkerung mit Blick auf gesundheitliche Belastungen und Risiken, die nachweislich im Zusammenhang mit dem Klimawandel stehen“, so Christian Günster, Leiter des Bereichs Qualitäts- und Versorgungsforschung beim WIdO. Demnach sind weite Teile der Bevölkerung noch nicht umfassend über die Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit informiert. Bei Umweltereignissen wie Hitze oder Unwetter zeigt fast ein Drittel der Befragten (31 Prozent) klaren Informationsbedarf.

Report gibt Überblick in 16 Fachbeiträgen

Der Versorgungs-Report „Klima und Gesundheit“ gibt in der Gesamtheit einen Überblick über die Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit. In insgesamt 16 Fachbeiträgen stellen renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowohl die globale Bedeutung des Klimawandels für die Gesundheit als auch dessen Auswirkungen und Herausforderungen für die medizinische Versorgung in Deutschland dar.

Weitere Informationen unter www.aok-bv.de