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Einheitliche Empfehlungen zur Kariesprävention für Kinder

Kinder- und Jugendärzte, Zahnärzte, Hebammen oder Fachkräfte der Gruppenprophylaxe können jetzt erstmals auf gemeinsame Handlungsempfehlungen zur Kariesprävention für Säuglinge und Kinder bis zum Alter von sechs Jahren zurückgreifen. „Das ist ein Meilenstein für die Zahngesundheit“, sagt Annett Neukampf, Referentin für die Zahnärztliche Versorgung beim AOK-Bundesverband, zur Einigung der beteiligten Fachgesellschaften und Organisationen. Dem Konsens sei ein jahrelanger Streit zwischen Kinderärzten und Zahnärzten um die Fluoridanwendung in der Altersgruppe vorangegangen.

©aok.de

Die Empfehlungen regeln vor allem die Kariesprophylaxe mit Fluorid. Bereits ab der Geburt wird Fluorid empfohlen: zunächst als tägliche Tablette in Kombination mit Vitamin D, bei Bedarf aufgelöst in ein paar Tröpfchen Wasser. Etwa ab dem sechsten Monat sollten Eltern dann mit dem Kinderarzt oder mit dem Zahnarzt bei der ersten zahnärztlichen Früherkennungsuntersuchung besprechen, ob Fluorid weiter über eine Tablette oder über die Zahncreme eingesetzt wird. Neben der Begrenzung von süßen Speisen und Getränken und der regelmäßigen Zahnreinigung spiele die Fluoridanwendung eine Schlüsselrolle in der Kariesvorbeugung.

Fortschritte bei der Zahngesundheit von Kindern

„Durch die Einführung der Gruppen- und Individualprophylaxe, den Einsatz von Fluoridlacken und dank einer konsequenten Aufklärung haben wir in den vergangenen Jahren deutliche Fortschritte bei der Zahngesundheit von Kindern erreicht“, so Neukampf weiter. Bei den Zwölfjährigen liege Deutschland im internationalen Vergleich sogar auf einem Spitzenplatz. Doch bei den Sechs- bis Siebenjährigen sei immer noch fast die Hälfte von Karies betroffen – besonders oft seien es Kinder aus sozial und wirtschaftlich benachteiligten Familien. AOK-Expertin Neukampf engagiert sich als Vertreterin der gesetzlichen Krankenkassen in der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege (DAJ) seit vielen Jahren für eine bessere Kariesprävention. Koordiniert wurden die Handlungsempfehlungen durch das „Netzwerk Gesund ins Leben“, dem auch die DAJ angehört. Das Netzwerk ist beim Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) angesiedelt, einer Einrichtung unter dem Dach des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL).

Einheitliche Empfehlungen „sehnsüchtig erwartet“

In den 380 regionalen Arbeitskreisen für Jugendzahnpflege, die bundesweit die Gruppenprophylaxe in Kitas und Schulen umsetzen, seien einheitliche, professionsübergreifende, wissenschaftliche Empfehlungen zur Kariesprophylaxe mit Fluoriden „sehnsüchtig erwartet“ worden, so DAJ-Geschäftsführerin Bettina Berg. Denn die Tatsache, dass junge Eltern in der Kinderarztpraxis teilweise anders informiert wurden als beim Zahnarzt, habe Akteurinnen und Akteuren der Gruppenprophylaxe vor Ort seit Jahren die Präventionsarbeit schwer gemacht.


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