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Zu viel Salz schadet den Immunzellen, obwohl sie es auch brauchen

Ein zu hoher Salzkonsum kann sich auf den Energiehaushalt der Immunzellen negativ auswirken. Zu diesem Ergebnis kommen die Wissenschaftler:innen des Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft.

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Der Hintergrund: Salz unterbricht die Atmungskette. Dadurch wird weniger ATP produziert und die Zellen verbrauchen weniger Sauerstoff. Durch den Energiemangel reifen Monozyten anders aus und können vermutlich Entzündungsprozesse fördern. Der dämpfende Effekt zeigt sich schon bei einer einmaligen erhöhten Salzzufuhr, reguliert sich aber in diesem Falle allmählich wieder. Es sei jedoch nicht auszuschließen, dass bei einem längerfristig erhöhten Salzkonsum Akkumulationseffekte eintreten [1].

Andererseits benötigt das Immunsystem Salz, um die Abwehrleistung von Makrophagen zu steigern, so die früheren Untersuchungsergebnisse der Universität Regensburg. Sie konnten aufzeigen, dass Salz in großen Mengen im infizierten Gewebe angehäuft werden können und dadurch die Immunabwehr an den betroffenen Stellen gesteigert wird [2]. Und das Max-Planck-Institut für Biochemie berichtete davon, dass Salzkonsum vor Autoimmunerkrankungen schützen kann, wie beispielsweise bei der chronisch-entzündlichen Erkrankung des Nervensystems Multiple Sklerose [3].

Was sich auf den ersten Blick wie ein Widerspruch anhört, ist in Wirklichkeit keiner. Vielmehr unterstreicht die Diskussion, wie wichtig ein gesundes Gleichgewicht im Salzhaushalt ist. Deshalb plädieren die Wissenschaftler nicht für den Konsum von Salz in rauen Mengen, sondern sehen in einem moderat erhöhten Salzkonsum den gewünschten Effekt.

Quellen:

  1. Geisberger S et al. (2021). „Salt transiently inhibits mitochondrial energetics in mononuclear phagocytes“. Circulation, DOI: 10.1161/CIRCULATIONAHA.120.052788, Pressemeldung: Zuviel Salz bremst die Fresszellen aus, Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft, Informationsdienst Wissenschaft (idw), https://idw-online.de/de/news767870
  2. Cell Metabolism (2015). Jantsch et al. „Cutaneous Na+ Storage Strengthens the Antimicrobial Barrier Function of the Skin and Boosts Macrophage-Driven Host Defense“. DOI: 10.1016/j.cmet.2015.02.003. Pressemeldung: Der Körper als Salzspeicher, Universitätsklinikum Regensburg. Informationsdienst Wissenschaft (idw). https://idw-online.de/de/news626694
  3.  Na S-Y, M et al. High-salt diet suppresses autoimmune demyelination by regulating the blood-brain barrier permeability. PNAS. März 2021. DOI: 10.1073/pnas.2025944118. Pressemeldung: Salzkonsum reguliert Autoimmunerkrankungen, Max-Planck-Institut für Biochemie, Informationsdienst Wissenschaft (idw). https://idw-online.de/de/news765032

Der Autor: Michael Petersen, Redaktion Medizin & Wissenschaft, Redaktionswebseite