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Forscher befürchten Beschleunigung geistiger Abbauprozesse durch fehlende Emotionserkennung

Emotionen und mentale Zustände anderer Personen erkennen: Das ist mit einem Mund-Nasen-Schutz nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich. Zudem, so die Hypothese von Forschern des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften http://www.cbs.mpg.de , könnten geistige Abbauprozesse damit beschleunigt werden, was besonders Ältere und Menschen mit bestimmten Formen von Demenz betrifft. Details wurden in “Frontiers in Psychology” publiziert.

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Ekel, Glück, Trauer und Ärger

“Ältere und Menschen mit Demenz sind bereits in ihrer sozialen Kognition beeinträchtigt. Deshalb sollten die Effekte von Masken hier besonders berücksichtigt werden”, so Studienautor Matthias Schroeter. Die Folge könnte eine schlechtere soziale Kommunikation sein, das allerdings nicht nur bei Älteren, sondern über alle Altersklassen hinweg. Zudem könnten sich kognitive Abbauprozesse vor allem bei denen beschleunigen, die davon ohnehin bereits betroffen sind.

Schroeters Hypothesen gründen auch auf einer Studie der Universität Bamberg http://uni-bamberg.de , wonach Emotionen deutlich schlechter durch Mimik wahrzunehmen sind, wenn bis zu 70 Prozent des unteren Gesichts bedeckt sind. So beeinträchtigen Masken vor allem die Erkennung von Gefühlen wie Ekel, Glück, Trauer und Ärger, die größtenteils über die Mundregion vermittelt werden. Furcht und neutrale Gesichtsausdrücke erkannten die Studienteilnehmer weiterhin gut. Sie werden vorrangig über die Augenpartie abgelesen.

Nur Augenpartie reicht oft nicht

Die Leipziger Forscher haben gezeigt, dass auch die Augenpartie es nicht allen ermöglicht, die darüber vermittelten Emotionen zu lesen: Ältere schnitten im Reading-the-Mind-in-the-Eyes-Test schlechter ab als Jüngere. Ihnen fällt es schwerer, Gemütslagen anhand der Augen zu erkennen. So verlassen sich Ältere auf die untere Gesichtspartie, um Stimmungen zu erkennen. Auch Demente haben Probleme, Gefühle von der Augenpartie abzulesen. Jüngere beziehen hingegen die gesamte Mimik ein, um die aktuelle Gemütslage einzuschätzen.

Sollten sich die Befürchtungen der Wissenschaftler bestätigen, wären zum Beispiel durchsichtige Masken etwa aus Folie denkbar. Auch sollten Gespräche expliziter geführt werden, heißt es. Statt auf subtile Mimik sollte man mehr auf klare Sprache und Gestik setzen. Und in Gesprächen mit Ärzten könnte verstärkt Telemedizin eingesetzt werden.

Quelle: pressetext.com