Im Fokus des diesjährigen Iberogast-Symposiums beim Kongress Viszeralmedizin 2021 stand das Thema „Volksleiden Reizdarm – Einflussfaktoren und Therapiemöglichkeiten“. Zu Beginn der Session unter dem Vorsitz von Professor Dr. med. Peter Malfertheiner, München, unterstrich PD Dr. med. Arne Kandulski, Regensburg, die weltweite Bedeutung funktioneller Magen-Darm-Erkrankungen anhand aktueller Daten: „Eine von der ROME-Gesellschaft weltweit durchgeführte Erhebung geht von einer Prävalenz funktioneller gastroenterologischer Erkrankungen von bis zu 40 % aus, wobei Reizdarm und Reizmagen den Hauptteil stellen. Der chronisch-rezidivierende Verlauf und das Fehlen von Standardtherapien ist Grundlage für sowohl eine hohe individuelle Belastung betroffener Patienten als auch eine hohe sozioökonomische Belastung der Gesundheitssysteme.“ [1]

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Darmmikrobiom: Wichtige Rolle bei der Pathogenese des Reizdarmsyndroms

Die Pathophysiologie des Reizdarmsyndroms ist komplex. Diskutiert werden unter anderem Störungen der Barrierefunktion der Darmschleimhaut, der mukosalen Immunabwehr, des enterischen Nervensystems und der Darm-Gehirn-Interaktion. Aber auch dem Darmmikrobiom kommt laut Professor Dr. med. Gerald Holtmann, Woolloongabba, Brisbane, Australien, eine wesentliche Rolle zu. „Es ist schwierig, aufgrund der hohen intra- und interindividuellen Variabilität ein ‚gesundes‘ bzw. ‚krankhaftes‘ oder ‚gestörtes‘ Mikrobiom zu definieren. Zahlreiche Studien legen jedoch nahe, dass im Vergleich zu gesunden Kontrollen eine gastrointestinale Dysbiose gehäuft bei Patienten mit Reizdarmsyndrom [2] und funktioneller Dyspepsie [3] auftritt. Zudem zeigen aktuelle Daten, dass eine antimikrobielle Therapie bei Patienten mit funktioneller Dyspepsie oder Reizdarmsyndrom zumindest kurzfristig die Symptome verbessert“ [4], so Holtmann.

„Eine Vielzahl aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse zur Pathophysiologie des Reizdarmsyndroms wurde auch in das im Juni 2021 erschienene Update der S3-Leitlinie zum Reizdarmsyndrom5 eingearbeitet“, erklärte Kandulski und ergänzte: „Der komplexen Pathophysiologie entsprechend sieht die Leitlinie weiterhin einen multimodalen Therapieansatz vor. Dazu gehören symptomunabhängige allgemeine Verfahren wie Ernährungsumstellung oder psychosomatische Therapie. Diese werden ergänzt um eine symptomorientierte medikamentöse Behandlung des Reizdarmsyndroms.“

Mehr Raum für Low-FODMAP-Diät

Deutlich umfangreicher als in der Vorversion wird im Leitlinien-Update die Low-FODMAP-Diät (Diät mit reduziertem Gehalt an fermentierbaren Oligo-, Di-, Monosacchariden und Polyolen) dargestellt [5]. „Von weitreichenden bzw. langfristigen Karenzempfehlungen ohne den Nachweis klinischer Wirksamkeit wird in der Leitlinie dagegen abgeraten“, so Professor Dr. med. Martin Alexander Storr, Starnberg, und fuhr fort: „Die FODMAP-Diät ist einfach umsetzbar und mit wenig Aufwand erlernbar. Je nach Konsequenz der Durchführung erfährt der Patient, wie stark er seine Beschwerden mit Ernährung beeinflussen kann. So kann er entscheiden, inwieweit er die Kostform langfristig in den Alltag integrieren möchte.“

Evidenzbasierte Phytotherapie zur Symptomlinderung

Professor Dr. med. Hans-Dieter Allescher, Garmisch-Partenkirchen, unterstrich, dass neben einer Ernährungsmodifikation eine individualisierte psychosomatische Behandlung eine weitere Option der Reizdarmtherapie sein kann, für die inzwischen in mehreren Studien eine deutliche Wirksamkeit nachgewiesen wurde.

„Neben den genannten allgemeinen Therapieverfahren ist der Leitlinie zufolge die gezielte symptomorientierte medikamentöse Behandlung die zweite Säule der Therapie des Reizdarmsyndroms“, erklärte Allescher und betonte: „Dabei spielen insbesondere Phytotherapeutika eine entscheidende Rolle.“

In einer klinischen randomisierten placebokontrollierten Studie an Reizdarmpatienten konnte gezeigt werden, dass sowohl STW5 (Iberogast Classic) als auch STW5-II (Iberogast Advance) eine signifikante Verbesserung des gastrointestinalen Symptomenscores bewirken [6]. „Aufgrund seiner Zusammensetzung wirkt STW5 dabei besonders auf die Motilität, während bei STW5-II der Wirkungsschwerpunkt im Bereich der Entzündungshemmung und der Beeinflussung der Sensitivität durch nervale Afferenzen angenommen wird. Darüber hinaus konnte für STW5-II in vitro die Beeinflussung der Sekretion und Absorption sowie der Permeabilität nachgewiesen werden. Aufgrund dieser Unterschiede erscheint eine differenzielle Anwendung der pflanzlichen Kombinationspräparate möglich“, erklärte Allescher.

Leitlinie: STW5 und STW5-II lindern Reizdarmsymptome

Auch das Leitlinien-Update unterstreicht den Stellenwert von Phytotherapeutika wie Iberogast bei der Symptomlinderung von Reizdarmbeschwerden [5]. STW5 und STW5-II sind dabei in der Leitlinie mit ihren positiven Effekten auf den IBS-SS (Irritable Bowel Syndrome – Severity Scoring System) generell und auf abdominelle Schmerzen im Speziellen aufgeführt [5].

Erfolgreiche Reizdarmtherapie in der Praxis

Wie eine erfolgreiche Reizdarmtherapie in der Praxis aussehen kann, unterstrich Storr anhand einer Kasuistik: Eine 24 Jahre alte Patientin litt seit etwa drei Jahren an funktioneller Dyspepsie und einem Reizdarmsyndrom mit postprandialem Völlegefühl, epigastrischen Schmerzen und abdominellen Krämpfen sowie wechselnder Stuhltextur. Es bestanden keine weiteren gastrointestinalen Erkrankungen, die Patientin war normalgewichtig und pflegte einen gesunden Lebensstil. Da die Beschwerden im Urlaub besser waren, wurden mit der Patientin zunächst Möglichkeiten zur Stressreduktion besprochen, außerdem wurde die Ernährung auf eine FODMAP-reduzierte Kost umgestellt. Zusätzlich zu dieser Basistherapie nahm die Patientin Iberogast Advance ein.

Als Stuhlregulans kam Psyllium (Flohsamen) zum Einsatz. Unter dieser multimodalen Therapie kam es zu einer deutlichen Verbesserung der dyspeptischen und Reizdarm-assoziierten Beschwerden.

Literatur:

  1. Sperber AD et al. Gastroenterology 2021;160:99-114
  2. Shah A et al. Am J Gastroenterol 2020;115(2):190-201
  3. Gurusamy SR et al. Am J Gastroenterol 2021;116(5):935-42
  4. Shah A et al. Dig Dis Sci 2021; doi: 10.1007/s10620-021-07149-1
  5. Update S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom, AWMF-Registernummer 021/016 verfügbar unter: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/021-016l_S3_Definition-Pathophysiologie-Diagnostik-Therapie-Reizdarmsyndroms_2021-07.pdf (letzter Zugriff: 30.08.2021)
  6. Madisch A et al. Aliment Pharmacol Ther 2004;19:271-279

Quelle:

Symposium „Volksleiden Reizdarm – Einflussfaktoren und Therapiemöglichkeiten“, im Rahmen von Viszeral Medizin 2021 (Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten sowie der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie), Leipzig, 16.9.2021; Veranstalter Bayer Vital GmbH.