Es ist eine Binsenweisheit: Der weibliche Körper unterscheidet sich grundlegend vom männlichen. Daher haben Frauen auch spezifische gesundheitliche Herausforderungen wie beispielsweise das Prämenstruelle Syndrom (PMS), die Wechseljahre bzw. Menopause oder die Endometriose, eine sehr häufig auftretende entzündliche Unterleibserkrankung. Nicht wenige Frauen leiden in der Folge hiervon teils jahrelang unter Symptomen wie Schmerzen, Entzündungen, depressiven Verstimmungen und Schlaflosigkeit.

CBD-Öl von Cannabisblätter eingerahmt.
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Neue Ansätze in der Frauengesundheit – wie genau wirken eigentlich medizinisches Cannabidiol (CBD) und Cannabis?

Seit einigen Jahren gibt es neue Ansätze zur Verbesserung der Lebensqualität betroffener Frauen, die sich auf medizinisches Cannabis fokussieren. Es gilt als erwiesen, dass aus der
Hanfpflanze gewonnene Wirkstoffe entzündungshemmend wirken, Schmerzen lindern und die Schlafqualität verbessern können. Im Fokus der Forschung um medizinisches Cannabis,
das als eines der ältesten Heilpflanzen erst seit 2017 in Deutschland zugelassen und verschreibungsfähig ist, stehen insbesondere zwei Wirkstoffe: Cannabidiol (CBD), ein PhytoCannabinoid aus der weiblichen Hanfpflanze, und Tetrahydrocannabinol (THC). „Interessant für die Medizin ist neben THC insbesondere CBD, denn es gilt als ein nicht-psychoaktives Cannabinoid. Die Einnahme von CBD wirkt beruhigend und kann gegen Krämpfe, Entzündungen, Angst sowie Übelkeit helfen“, erklärt Dr. med. Julian Wichmann, therapieerfahrener Arzt und Geschäftsführer von Algea Care, der bundesweit ersten und führenden Plattform für eine telemedizinisch unterstützte und evidenz-basierte, ärztliche Behandlung mit medizinischem Cannabidiol (CBD) und Cannabis.


In der Praxis wenden Ärzte medizinisches Cannabis bereits im Bereich der Frauengesundheit an. Dr. Gudrun Lorenz-Eberhardt, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, sagt hierzu: „Die positiven Eigenschaften der in der Cannabispflanze enthaltenen Wirkstoffe können wir uns in der Frauenmedizin zunutze machen. Cannabis ist ein natürliches Heilmittel, das eine nicht-hormonbasierte Therapie ermöglicht. Dies stößt bei vielen Frauen auf eine hohe Akzeptanz.“ Dr. Lorenz-Eberhardt, die ihren Doktortitel und Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe an der Karl-Franzen Universitätsklinik im österreichischen Graz erwarb, beschäftigt sich seit 2017 in ihrer Praxis mit dem Einsatz von medizinischem Cannabidiol (CBD) und Cannabis im Fachbereich Gynäkologie und der Frauengesundheit.

Studien legen positive Wirkung von CBD bzw. Cannabis bei Endometriose nahe

Eine besondere Bedeutung kann medizinisches Cannabis offensichtlich bei der Endometriose, einer sehr häufig auftretenden Unterleibserkrankung bei Frauen, einnehmen – und das ist angesichts der Ausbreitung dieser Erkrankung wichtig: Laut der Endometriose-Vereinigung Deutschland e.V. sollen 8 bis 15 Prozent aller Frauen zwischen der Pubertät und den Wechseljahren betroffen sein; bis zu 40.000 Neuerkrankungen soll es jährlich in Deutschland geben. Als Ursache für die Erkrankung gelten Ansiedlungen von gebärmutterschleimhautähnlichem Gewebe außerhalb der Gebärmutter. Diese können zu chronischen und schmerzhaften Entzündungen, Vernarbungen, Verwachsungen und Blutungen in der Bauchhöhle sowie sogar zu Unfruchtbarkeit führen. Die Endometriose-Vereinigung schätzt, dass etwa 40 bis 60 Prozent aller ungewollt kinderlosen Frauen an Endometriose leiden.


Studien, die die Wirkung von medizinischem Cannabis bei Endometriose untersuchten, legen eine positive Wirkung nahe. So ergab eine Online-Umfrage unter 484 australischen Frauen mit Endometriose im Alter von 25 und 36 Jahren zu selbst angewandten Strategien zur Symptombewältigung, dass 13 Prozent medizinisches Cannabis zur Linderung ihrer Symptome anwendeten. Die Studienteilnehmerinnen schilderten, die Einnahme von medizinischem Cannabis führe zu einer signifikanten Symptomlinderung, einer Verbesserung von gastrointestinalen Beschwerden, Ängsten und Depressionen und fördere das
Schlafverhalten. Die Befragten führten auch an, dass die Einnahme weiterer Schmerzmedikamente durch medizinisches Cannabis verringert werden konnte.

Eine Übersichtsarbeit zur Wirksamkeit der Endometriose-Behandlung mit CBD und THC kam zu dem Schluss, dass beide Wirkstoffe das Endocannabinoid-System beeinflussen und studienübergreifend eine entzündungshemmende und schmerzlindernde Wirkung zeigen. Das Endocannabinoid-System ist ein Teil des Nervensystems, das bei der Behandlung von Endometriose mit medizinischem Cannabis eine zentrale Rolle spielt. Eine weitere Studie besagt darüber hinaus, dass die aktuelle Datenlage insgesamt auf eine potenziell schmerzlindernde Wirkung von medizinischem Cannabis hinweist, bei meist geringfügigen Nebenwirkungen, wie Müdigkeit, Mundtrockenheit und gereizten Augen.

Symptomlinderung durch medizinisches Cannabis auch in der Menopause

Die Menopause ist im Gegensatz zur Endometriose selbstverständlich keine Krankheit, sondern eine Lebensphase von Frauen, in der sich die weiblichen Geschlechtshormone Progesteron und Östrogen verändern, was dann zu Symptomen wie Hitzewallungen, Schlafstörungen oder Unruhe führen kann. Ob und wie stark Frauen unter den verschiedenen Wechseljahrbeschwerden leiden, ist sehr unterschiedlich. Ein Drittel aller Frauen hat keine oder kaum Probleme. Im Umkehrschluss bedeutet das allerdings, dass zwei Drittel der Frauen durch die Wechseljahre mit diversen Herausforderungen konfrontiert sind. Diese können den Alltag und das Wohlbefinden empfindlich stören. Als Behandlung der Symptome kommen unter anderem Hormonersatztherapien in Frage, welche allerdings nicht unumstritten sind. Als nicht-hormoneller Therapieansatz kann eine cannabisbasierte Therapie eine mögliche Alternative darstellen, da Cannabinoide einer Studie zufolge bei Wechseljahrbeschwerden positive Effekte erzielen können. So ergab eine Online-Umfrage unter 115 Frauen in der Menopause, dass medizinisches Cannabis das Potential zur Linderung von Wechseljahrbeschwerden hat.