Eine isolierte Betrachtung einzelner Organe ist heute in wohl kaum einer medizinischen Disziplin noch Standard. Das komplexe Zusammenspiel nicht nur verschiedener körperlicher Funktionen, sondern auch die Interaktionen zwischen Psyche und Soma sind dank des interdisziplinären Forschungsfelds der Psychoneuroimmunologie inzwischen mit guter Evidenz belegt. In einem noch größeren Kontext betrachtet das biopsychosoziale Modell von Gesundheit und Krankheit den Patienten nicht als für sich stehende Entität, sondern stets in Wechselwirkung mit äußeren (sozialen) Faktoren.

© Presseinformation Fachpresse-Club Cardiodoron®

Integrative Ansätze, die konventionelle durch komplementäre Maßnahmen ergänzen, halten dank Erfahrungswerten und Forschungserkenntnissen auch in die Kardiologie Einzug. Das naturheilkundliche Präparat Cardiodoron® etwa kann insbesondere, aber nicht ausschließlich, bei funktionellen Herz-Kreislauf-Beschwerden als stabilisierende Begleittherapie die selbstregulatorischen Fähigkeiten des kardiovaskulären Systems verbessern.

Das integrative Konzept der Anthroposophischen Medizin spiegelt sich unter anderem im ganzheitlichen Modell der sogenannten funktionellen Dreigliederung des menschlichen Organismus in Nerven-Sinnes-System, Rhythmisches System und Stoffwechsel-Gliedmaßen-System. Diese funktionellen Systeme lassen sich jeweils von vier verschiedenen Ebenen aus betrachten. Auf der physischen Ebene steht der meist technisch vermittelte Befund (Labor, Blutdruckmessung, Herzkatheter etc.). Dann folgt die Ebene der Vitalität (Lebenskräfte), also allgemeine (Begleit-)Symptome wie reduzierte Belastbarkeit oder Fatigue, die schulmedizinisch gesehen das Befinden erfassen. Auf der Ebene seelischen Erlebens (des Fühlens) kommen Belastungen wie Depression oder Angst zum Tragen und die vierte, die spirituelle Ebene nimmt mit biografischen Krisen oder Brüchen im Selbstkonzept Faktoren in den Blick, die psychologisch als Aspekte der „Sinnhaftigkeit“ oder des „Lebenssinnes“ beschrieben werden können. Die Übertragung dieser vier Ebenen der Anthroposophischen Medizin in die konventionell medizinische Perspektive ist dabei nicht auf die Diagnostik beschränkt, sondern schlägt sich auch in der Therapie nieder: Auf jeder dieser Ebenen lassen sich konventionelle mit komplementären therapeutischen Ansätzen verbinden – auch in der Kardiologie.

Das Herz als Widerstandsorgan – Abschied vom Pumpenmodell?

Denn auch die Fachdisziplin rund um unser Herz wird seit dem Aufkommen der Psychokardiologie stetig offener für einen ganzheitlicheren Kurs. Damit einher geht auch das Infragestellen von lange dominierenden Modellvorstellungen des Herzens – nicht zuletzt der vom Herzen als Pumpe, wie Dr. med. Jakob Gruber, Leitender Arzt der Abteilungen für Innere Medizin und Kardiologie am Gemeinschaftskrankenhaus Witten/Herdecke, im Rahmen des Weleda Fachpresse-Clubs 2022 [1], aufzeigte.

Das Herz sei zwar so komplex, dass Modelle letztlich immer nur als Metapher zu verstehen seien, dennoch gibt es unter diesem Vorbehalt laut Gruber gute Gründe, das Herz eher als „Widerstandsorgan“ statt als Pumpe zu denken: „Es gibt da einige theoretische und klinische Widersprüche. Der Vergleich mit einer Pumpe funktioniert beispielsweise nicht, um das Versagen aller neu entwickelten positiv-inotropen Medikamente verstehen zu können. Auch die schlechte Korrelation von systolischer Dysfunktion mit der klinischen Symptomatik oder die Wirbelströmung in der intrakardialen Hämodynamik lassen sich besser durch den Vergleich mit einem Widerstandsorgan erklären“, erläuterte Gruber.

Doch auch, wenn es Argumente für den Abschied vom alten mechanistischen Pumpenmodell gebe, sei der Paradigmenwechsel nicht absolut zu sehen, betonte er: „Das Herz ist zu komplex, als dass man es mit einem einzigen Modell greifen könnte. Es ist nicht nur Widerstandsorgan, sondern auch Bewegungsorgan, Rhythmusorgan und Wahrnehmungsorgan.“ Als solches greift es aus der ganzheitlichen Perspektive in Abhängigkeit von äußeren Einflüssen sowie von der momentanen Befindlichkeit regulierend ein. Gerade auch die Funktion des Herzens als Wahrnehmungsorgan macht es entsprechend empfänglich für Überforderung, Ärger oder Angst – also auf der Ebene des Fühlens. Diese evolutionsbiologisch gesehen alten Emotionen führen über die Ausschüttung von Adrenalin und Kortisol auch heute noch zu Stressreaktionen, die den Organismus auf Dauer aus seinem gesunden Rhythmus bringen können. Dies äußert sich häufig in funktionellen vegetativen Beschwerden wie Verspannungen, Erschöpfung oder innerer Unruhe und – da viele physiologische Vorgänge (wie z. B. Atmung, Schlaf, Puls) rhythmusgesteuert sind – oft auch in solchen mit rhythmischer Beteiligung. Zu diesen zählen auch die funktionellen Herz-Kreislauf-Beschwerden (fHKB).

Pandemie sorgt für Herzrasen und Engegefühle

Kardiologische Symptome wie Tachykardie, Palpitationen, Arrhythmien, Blutdruckschwankungen, Herzenge, vasovagale Synkopen (teilweise auch begleitet von Schlafstörungen) werden als „funktionell“ bezeichnet, wenn keine organpathologische Ursache vorliegt [2]. Dies ist bei schätzungsweise 25–40% aller Herzpatienten der Fall [2]. Auch in einer Umfrage der Weleda AG im Jahr 2021 gaben 25 Prozent der Deutschen an, gelegentlich oder täglich Herzrasen oder einen höheren Puls bei sich festzustellen, fast jeder Fünfte nahm ebenso oft ein Engegefühl in Hals- oder Brustraum wahr [3]. Bei funktionellen Herz-Kreislauf-Beschwerden handelt es sich um eine Ausschlussdiagnose. „Diese wird teilweise als Bagatellerkrankung abgetan, ist aber für die Betroffenen oft mit hohem Leidensdruck verbunden“, weiß Gruber aus langjähriger Praxiserfahrung. Zudem kommt es in vielen Fällen zu einer Chronifizierung der funktionellen Beschwerden, wodurch das Risiko, im Verlauf eine organisch manifeste Herz-Kreislauf-Erkrankung zu entwickeln, deutlich erhöht ist [2]. Diese Gegebenheiten verdeutlichen die große Relevanz integrativer Konzepte auch in der Kardiologie.

Regulieren statt blockieren

Die integrative Medizin vertritt die Auffassung, dass konventionelle Maßnahmen – etwa die Gabe von Statinen bei Hypercholesterinämie – sinnvoll und notwendig sein können, sie aber von einer Ergänzung durch komplementäre Ansätze wie Naturheilkunde, Anthroposophische Medizin, Homöopathie, Akupunktur, Meditation (oder eine Kombination) profitieren kann, um so die individuelle Lebenssituation der Patienten ganzheitlich zu berücksichtigen. In der Regulationsmedizin sind persönliche Umstände und Lebensstil wichtige therapeutische Ansatzpunkte. Regulierende Lebensstilinterventionen können sich dabei nicht nur günstig auf fHKB auswirken, sondern sogar bei einer manifesten Koronarsklerose zu Rückbildungen führen, wie der „Lifestyle Heart Trial“ von Ornish et al. zeigte [4]: In der prospektiven randomisierten kontrollierten Studie wurde der Durchmesser arterieller Stenosen bei 28 Patient:innen der Versuchsgruppe (fettarme vegetarische Diät, Rauchverbot, Stressbewältigung und moderate Bewegungsübungen) nach einem Jahr mit denen der Kontrollgruppe (normale Betreuung) verglichen. In der Verumgruppe kam es bei 82% der Patienten zu einer Regression (Abnahme der Durchmesser der Stenosen), während der mittlere Durchmesser der Stenosen in der Kontrollgruppe zugenommen hatte.

Aufbauend auf den Erkenntnissen dieser Studie wurde das Konzept der „Herzschulen“ entwickelt, von denen es heute in Deutschland mehrere gibt. In diesen interdisziplinären ärztlich-therapeutischen Einrichtungen sollen Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder kardiovaskulären Prädispositionen darin geschult werden, über den Lebensstil und kreislaufaktivierendes Verhalten zurück in einen gesunden Rhythmus zu finden und so die Selbstregulation ihres Rhythmussystems zu unterstützen.

Nicht gegen die Erkrankung, sondern für die Gesundung

Dieses Prinzip findet sich auch in einer pharmakologisch-integrativen Therapie. Im Gegensatz zu chemisch definierten Präparaten ist das Ziel einer medikamentösen (Begleit-)Therapie in einer integrativen Kardiologie nicht allein die kurzfristige Beseitigung der Symptome, sondern vielmehr eine Unterstützung der systemischen Selbstregulation, die in Abhängigkeit von der Ausgangslage sowohl pathologisch erhöhte als auch zu niedrige Werte wieder in den gesunden, physiologischen Normbereich zurückführen kann. Dabei helfen Arzneimittel, die in ihrer Wirkstoffkomposition auf allen Ebenen der oben genannten Dreigliederung eine gesunde Organfunktion repräsentieren.

Ein solches dreigegliedertes, regulativ wirksames Arzneimittel ist Cardiodoron®. Es unterstützt durch synergistische Effekte dreier unterschiedlich wirksamer Heilpflanzenextrakte das Zusammenspiel von Herz und Kreislauf. Aus der Sicht der Anthroposophischen Medizin regt die Schlüsselblume (Primula veris) über die Atmung die systolischen Prozesse an, verdünnte Bilsenkraut-Tinktur (Hyoscyamus niger) wirkt psychovegetativ entspannend und unterstützt die diastolischen Funktionen, die Eselsdistel (Onopordum acanthium) stabilisiert die rhythmischen Prozesse und unterstützt den Herzmuskel. Die Komposition beeinflusst somit keine spezifischen pathophysiologischen Vorgänge, sondern stärkt die gesundheitsbildenden Funktionen des Herz-Kreislauf-Systems. Durch diese Unterstützung der vegetativen Regulation kann oft einer Chronifizierung vorgebeugt werden.

Neben praktischen Erfahrungen bestätigen auch Studien die Wirksamkeit und gute Verträglichkeit dieses Regulationsarzneimittels bei Störungen der vegetativen Rhythmik [2, 5, 6]. Der Mangel an Evidenz in Form von randomisierten kontrollierten klinischen Studien – Gruber spricht von einer „Erfahrungsmedizin“ – stellt zwar oft eine Hürde für eine breitere Anwendung der Regulationsmedizin dar. Das sollte Behandler Kardiologen zufolge aber nicht abhalten, sondern – im Gegenteil – ermutigen: „Wir machen in der integrativen Kardiologie regelmäßig die Erfahrung, dass solche Ansätze zur Stärkung eines gesunden vegetativen Rhythmus wirksam sein können.“

Aus der Praxis der integrativen Kardiologie

Eine diastolische Dysfunktion – eine Füllungsstörung, bei der die linke Herzkammer nicht genug Elastizität besitzt, um ausreichend Blut aufzunehmen – kann sich zu einer manifesten diastolischen Herzinsuffizienz mit erhaltener linksventrikulärer Ejektionsfraktion (heart failure with preserved ejection fraction, HFpEF) entwickeln. Schulmedizinisch lässt sich diese prognoseverbessernd noch nicht behandeln – doch Verfahren der Phyto- oder Bewegungstherapie zeigen in der Praxis oft gute Erfolge, so Gruber. Letztere ist im Hinblick auf die Prognoseverbesserung die einzige in Studien nachgewiesene Therapie.

Literatur:
[1] Weleda Fachpresse-Club; 29.03.2022; Digitales Symposium
[2] Rother C. Anwendung von Cardiodoron® bei Patienten mit funktionellen Herz-Kreislauf-Beschwerden und/ oder Schlafstörungen – Ergebnisse einer prospektiven, nichtinterventionellen Beobachtungsstudie. Forsch Komplementmed 2013; 20: 334–344
[3] Weleda Trendforschung 2021, repräsentative Umfrage im Auftrag von Weleda.
[4] Ornish D et al. Can lifestyle changes reverse coronary heart disease? The Lifestyle Heart Trial. Lancet 1990; 336: 129–133
[5] Rother C & Semaca C. Cardiodoron® bei funktionellen Herz-Kreislauf-Beschwerden und Blutdruckauffälligkeiten: Eine Sekundäranalyse einer prospektiven Beobachtungsstudie. Complement Med Res 2021; 28: 196–205
[6] Rother C & Schnelle M. Cardiodoron® bei Patienten mit Schlafstörungen – Ergebnisse einer prospektiven Beobachtungsstudie. Complement Med Res 2017; 24: 15–25