Vielen gilt er als das neue Wundermittel im Kampf gegen zu hohe Cholesterinwerte: Rotschimmelreis. Die Werbung verspricht, Nahrungsergänzungsmittel, die diesen mit einem roten Schimmelpilz fermentierten Reis enthalten, senken den Cholesterinspiegel auf natürliche Weise und ohne Nebenwirkungen. Ein gefährlicher Trugschluss, wie die Experten des Verbraucherzentrale Bundesverbands klar machen: „Es gibt keine gesundheitlich unbedenkliche Menge. Am sichersten ist der Verzicht auf ein solches Produkt“, sagen die Verbraucherschützer und beziehen sich dabei unter anderem auf eine Stellungnahme des Bundesinstituts für Risikobewertung.

Eine Schüssel mit, durch roten Schimmelpilz fermentierten, Reis.
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Erhöhte Blutfettwerte sind heute eine Volkskrankheit in Deutschland: Mehr als zwei Drittel leben mit einem zu hohen Cholesterinspiegel. Bei jedem dritten Bundesbürger sind die Werte sogar deutlich zu hoch. Erhöht heißt, dass sich zu viel von dem „schlechten“ LDL-Cholesterin im Blut befindet. Das kann zu dramatischen Folgen führen: In Blutgefäßen können sich Ablagerungen bilden. Diese behindern den Blutfluss und können ihn sogar vollständig zum Erliegen bringen.

Die Verkalkung der Arterien erhöht so das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle – in der westlichen Welt immer noch Todesursache Nummer 1. Rund fünf Millionen Deutsche nehmen auch deshalb so genannte Statine ein. Diese Medikamente drücken den Cholesterinspiegel. Die Statine enthalten Enzyme, die die Produktion von Cholesterin hemmen. Allerdings haben diese Arzneien zahlreiche Nebenwirkungen: von Muskelschmerzen über Muskelschwäche, einem erhöhten Diabetesrisiko bis hin zur Gefahr von Leberschädigungen, Magen-Darm-Beschwerden oder auch Erkrankungen der Augen.

Jeder zweite Deutsche setzt auf natürliche Nahrungsergänzung


Auch deshalb suchen immer mehr Menschen nach natürlichen Alternativen auch im Kampf gegen das Cholesterin. Eine Forsa-Umfrage im Auftrag der Verbraucherzentralen kam im Dezember 2021 zu dem Schluss, dass fast jeder zweite Befragte innerhalb der vergangenen sechs Monate ein oder mehrere Nahrungsergänzungsmittel gekauft hatte. Fünf Jahre zuvor, 2016, lag dieser Wert noch bei gut einem Drittel. Rotschimmelreis-Produkte schwimmen seit neuestem auf dieser Welle mit, wenn es um die Hoffnung geht, etwas gegen zu hohe Blutfettwerte zu tun. „Nahrungsergänzungsmittel mit Rotschimmelreis sollen den Cholesterinspiegel durch das enthaltene Monacolin K auf ‚natürliche‘ Weise senken und dabei frei von Nebenwirkungen sein“, fasst die Verbraucherzentrale zusammen.

Rotschimmelreis: Identische Nebenwirkungen wie Statine


Das in Rotschimmelreis enthaltene Monacolin K ist demnach identisch mit dem verschreibungspflichtigen Arzneistoff Lovastatin. Oder anders formuliert: Es handelt sich dabei pharmakologisch um dieselbe Substanz. „Sowohl Lovastatin als auch Monacolin K können erhebliche Nebenwirkungen auslösen“, so die Verbraucherzentrale, und weiter: „Nahrungsergänzungsmittel mit rotem Reis können die gleichen Wirkungen, Risiken und Nebenwirkungen entfalten wie Arzneimittel mit Lovastatin.“ Das seien Muskelschmerzen und -krämpfe, Kopfschmerzen, Übelkeit, Durchfall, Schwäche, Hautausschläge sowie Störungen der Nieren- und Leberfunktion.

Auch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte warnte bereits vor den zahlreichen unerwünschten Wirkungen wie „Schädigungen der Skelettmuskulatur und der Leber“. Wechselwirkungen mit einer Vielzahl von Medikamenten wie Blutverdünnern sind demnach ebenfalls möglich und auch eine Erhöhung des Blutzuckerspiegels ist denkbar.

„Sichere Dosierung ist nicht möglich“


Das Fazit der Verbraucherschützer ist eindeutig: „Eine sichere Dosierung der Produkte ist nicht möglich.“ Fraglich sei zudem, ob durch Einnahme von niedrigeren Mengen an Monacolin K im Vergleich zur Dosierung eines Statins noch eine wirksame Cholesterinsenkung stattfindet. Weiter kritisieren die Verbraucherschützer unter anderem, dass Rotschimmelreis-Produkte „weitere potenziell gefährliche Substanzen wie das nierenschädigende Mykotoxin Citrinin enthalten“ könnten. Dieses gilt unter anderem als krebserregend.