Jeder fünfte Mensch weltweit stirbt infolge ungesunder Ernährung. Welche sozialen Faktoren für riskantes Ernährungsverhalten bei über 65-Jährigen entscheidend sind, untersuchen die HM-Forscher Christoph Geigl und Christian Janßen mit Kollegen des RKI und der Universität Regensburg.

Gesunde Ernährung im Alter verlängert das Leben: Welche sozialen Faktoren dafür wichtig sind, erforscht ein HM-Forschungsteam.
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München, 28. April 2022 – Nach bisheriger Studienlage könnte jeder fünfte vorzeitige Todesfall weltweit durch ein verbessertes Ernährungsverhalten verhindert werden. Besonders problematisch ist eine Ernährungsweise mit zu wenig Gemüse, Obst, Vollkorn- und Milchprodukten. Der Gesundheitswissenschaftler Christoph Geigl ist Doktorand in der HM-Forschungsgruppe von Prof. Dr. Christian Janßen, die in Kooperation mit dem Robert Koch-Institut und der Universität Regensburg in einer umfangreichen Studie das Ernährungsverhalten älterer Menschen erforschte. In einer aufwändigen statistischen Analyse untersuchten sie den Zusammenhang zwischen sozialen Faktoren und dem riskanten Ernährungsverhalten bei älteren Erwachsenen ab 65 Jahren. Die Forschungsergebnisse wurden kürzlich im international renommierten Fachjournal Nutrients publiziert.

Index zur Erfassung von ungesundem Ernährungsverhalten

„In Analysen anderer Wissenschaftler ist uns aufgefallen, dass vor allem eine Ernährung mit einem Mangel an Gemüse, Obst, Vollkorn- und Milchprodukten etwa 65 Prozent aller ernährungsbedingten Todesfälle weltweit verursacht“ sagt Geigl zum Ausgangspunkt der Studie. Die Forschungsgruppe entwickelte deshalb auf Grundlage dieser Lebensmittelgruppen einen vereinfachten Index, um das ernährungsbedingte Risikoverhalten von Bevölkerungsgruppen möglichst einfach einschätzen zu können. Studienleiter Prof. Dr. Christian Janßen ergänzt: „Ziel war es, einen übersichtlichen Index zu entwickeln, der sich ressourcenschonend in bevölkerungsrepräsentativen Gesundheitsstudien einsetzen lässt.“ Die Daten der Analyse stammen aus einer schriftlich-postalischen Erhebung bei älteren deutschen Erwachsenen ab 65 Jahren.

Insgesamt beteiligten sich 1687 Personen an der Befragung, was im Verhältnis zu vergleichbaren Erhebungen ein sehr guter Rücklauf von etwa 33 Prozent ist. Die Forscher gehen davon aus, dass die Daten durch diese Erhebungsform von besonderer Güte sind, da sich viele ältere Menschen große Mühe gegeben hätten, den Fragebogen gewissenhaft auszufüllen.

Das Ernährungsverhalten im Alter verbessern

Ernährungsverhalten älterer Menschen lässt sich durch spezifische Interventionen bis ins hohe Alter wirksam verbessern. Damit ernährungsbedingte Maßnahmen bedarfsorientiert geplant werden können, benötigen Entscheidungsträger aus Gesellschaft und Politik verlässliche Daten.

Der neu entwickelte Index kann dabei helfen, mögliche Zielgruppen solcher Maßnahmen zu bestimmen. Die wichtigsten Risikofaktoren für ungesunde Ernährung bei deutschen Erwachsenen ab 65 Jahren sind: wenig körperliche Aktivität, männliches Geschlecht, ein niedrigeres formales Bildungsniveau und ein erhöhter Alkoholkonsum (vgl. Abbildung).

„Risikoprofile ermöglichen es, Personengruppen zu bestimmen, die von ernährungsbedingten Interventionen vermutlich besonders profitieren würden. Die zumeist knapp kalkulierten Mittel zur Gesundheitsförderung und Prävention lassen sich so zielführend einsetzen, um die soziale Ungleichheit im Ernährungsverhalten älterer Menschen zu reduzieren“, sagt Geigl. Das Forschungsteam geht davon aus, dass die wesentlichen Ergebnisse der Analyse auf andere europäische Länder mit hohem Einkommen übertragbar sind.

Publikation: Geigl, C.; Loss, J.; Leitzmann, M.; Janssen, C. Social Factors of Dietary Risk Behavior in Older German Adults: Results of a Multivariable Analysis. Nutrients 2022, 14, 1057