Im Auftrag des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) haben Wissenschaftler unter der Federführung der medizinischen Hochschule Hannover (MHH) untersucht, ob die Feldenkrais-Methode bei Störungen der Beweglichkeit Vorteile hat. Für zwei der betrachteten fünf Erkrankungen konnten sie dabei einen Vorteil der Feldenkrais-Methode feststellen: Bei der Behandlung der Parkinson-Krankheit und bei chronischen Schmerzen im unteren Rückenbereich besserten sich die Beweglichkeit und die Lebensqualität der Betroffenen. Die Datenlage für diese Bewertung ist allerdings dünn.

Feldenkrais
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Anfrage einer Bürgerin als Ausgangspunkt des Berichts

Die häufigsten Ursachen für eine Beweglichkeitsstörung sind Muskel- und Gelenkerkrankungen sowie Krankheiten des Nervensystems wie etwa Arthrose, Beschwerden der Wirbelsäule, Schlaganfall, Morbus Parkinson oder multiple Sklerose. Beweglichkeitsstörungen können zu verringerter Selbstständigkeit, verminderter Lebensqualität sowie der Notwendigkeit fremder Hilfe führen. Sie werden vor allem mit Physiotherapie, manchmal auch mit Medikamenten oder operativen Eingriffen behandelt.

Die Feldenkrais-Methode zielt darauf ab, die Beweglichkeit über die bewusste Wahrnehmung von Körperbewegungen zu verbessern. Sie beinhaltet eine Reihe aktiver und passiver Bewegungen, die von Feldenkrais-Lehrenden durchgeführt oder angeleitet werden. Die Feldenkrais-Methode wird von den Krankenkassen in der Regel nicht erstattet.

Vor diesem Hintergrund fragte eine Bürgerin beim ThemenCheck Medizin an, ob Feldenkrais eine Methode sein könnte, die gegebenenfalls eine medikamentöse oder operative Therapie überflüssig machen könnte. Sie hatte die Erfahrung gemacht, dass Rückenschmerzen oft mit Medikamenten behandelt werden bzw. sogar Operationen empfohlen werden.

Mögliche Vorteile bei Parkinson und bei chronischen Schmerzen im unteren Rücken

Das vom IQWiG beauftragte Wissenschaftsteam der MHH hat für seinen jetzt vorgelegten HTA-Bericht sechs Studien eingeschlossen, die die Feldenkrais-Methode für fünf Indikationen untersuchten: Morbus Parkinson, chronische Schmerzen im unteren Rückenbereich, Nacken-Schulter-Beschwerden, multiple Sklerose und geistige Beeinträchtigung.

Zum Nutzen der Behandlung gibt es nur wenige aussagekräftige Daten. Die Studien deuten aber darauf hin, dass die Feldenkrais-Methode bei bestimmten Erkrankungen Vorteile bietet. So zeigt sich in der Indikation Morbus Parkinson, dass die Feldenkrais-Methode gegenüber einem Bildungsprogramm in Form von Vorträgen die Beweglichkeit verbessern und die gesundheitsbezogene Lebensqualität erhöhen kann. Auch bei der Indikation chronische Schmerzen im unteren Rückenbereich kann die Feldenkrais-Methode gegenüber einem Training mit Übungen für die Rumpfstabilität die Beweglichkeit fördern und die gesundheitsbezogene Lebensqualität steigern.

Gegenüber der Teilnahme an einer Rückenschule zeigt sich in einer Studie, dass die Feldenkrais-Methode die Schmerzen im unteren Rückenbereich besser lindert. Allerdings war hier die gesundheitsbezogene Lebensqualität in der Rückenschule höher. Ob die Feldenkrais-Methode oder die Rückenschule den Betroffenen besser hilft, bleibt deshalb offen.

Für die Indikation Schulter-Nacken-Schmerzen können die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler keine Aussage dazu treffen, ob die Feldenkrais-Methode Vorteile gegenüber der Physiotherapie hat. Die Daten der betreffenden Studie reichen dazu nicht aus.

Für die Indikationen multiple Sklerose und geistige Beeinträchtigungen zeigen die verfügbaren Studien keinen Vorteil der Feldenkrais-Methode gegenüber einem Bildungsprogramm bzw. keiner Behandlung.

Weitere aussagekräftige Studien wünschenswert

Die übergeordnete Frage, ob Feldenkrais eine Methode ist, von der Betroffene mit Beweglichkeitsstörungen profitieren, lässt sich aus Sicht des IQWiG noch nicht beantworten. Die vorhandenen Studien reichen insgesamt nicht aus, um Patientinnen und Patienten über die Vor- und Nachteile der Feldenkrais-Methode zu informieren. Um diese zu beurteilen, sind weitere aussagekräftige Studien notwendig, in denen die Methode auch mit etablierten Behandlungen wie der Physiotherapie verglichen wird.

Quelle: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)