Die Stimulation des aurikulären Vagusnervs (aVNS) im menschlichen Ohr hat eine entzündungshemmende Wirkung bei schweren COVID-19-Verläufen. Das haben Forscher der Technischen Universität Wien (TU Wien) nun wissenschaftlich belegt. Details sind in „Frontiers in Physiology“ nachzulesen.

Ohrstimulation
Individualisierte aurikuläre Vagusnerv-Stimulation gegen COVID-19. © TU Wien

Geschlossener Regelkreis

„Die Elektrostimulation des aurikulären Vagusnervs konnte die Entzündungsreaktion bei COVID-19-Patienten nicht nur aufhalten, sie konnte dieser sogar entgegenwirken,“ so TU-Wien-Forscher Eugenijus Kaniusas. Die Integration eines geschlossenen Regelkreises mache die neue Therapie zudem individuell auf den Patienten abstimmbar und besser verträglich.

„So ist es uns möglich, den Vagusnerv genau dann zu stimulieren, wenn das Gehirn zuhört. Dies ist der Fall, wenn das Herz sich gerade zusammenzieht und das Blut in die Gefäße strömt oder die betreffende Person gerade ausatmet“, ergänzt Kaniusas. So ließen sich Über- und Unterstimulation verhindern, die häufig durch eine dauerhaft anhaltende aVNS entstehen.

Integrierte Feedback-Funktion

Eine Feedback-Funktion des Systems ist ebenfalls von Vorteil: „Das aVNS-System hört den gemessenen Biosignalen zu und entsendet genau zum richtigen Zeitpunkt seinen Reiz, wie eine intelligente elektrische Pille“, zieht Kaniusas einen Vergleich. Dies sei ein wichtiger Schritt in Richtung Personalisierung, durch die sich das Forschungs-Team auch bessere therapeutische Erfolge und mehr Akzeptanz seitens der Anwender erwartet.

Originalpublikation: Seitz T et al. Percutaneous Auricular Vagus Nerve Stimulation Reduces Inflammation in Critical Covid-19 Patients. Front Physiol 2022; 13: 897257. DOI: 10.3389/fphys.2022.897257.

Quelle: pressetext.redaktion.de