Seit beinahe 70 Jahren wird am 20. September der Weltkindertag gefeiert, u. a. um die Rechte der Kinder zu stärken und auf diese aufmerksam zu machen. Natürlich steht auch die Gesundheit der Jüngsten im Fokus – und hier gewinnt die Osteopathie immer mehr an Bedeutung.

Kinderosteopathie
© Bundesverband Osteopathie e.V.

Viele fordern, dass das deutsche Gesundheitssystem grundlegend geändert werden soll. Neben aktuellen Diskussionen zur Pflege rücken stets die natürlichen Heilmittel in den Fokus der Berichterstattung. Schon seit Jahren kämpfen viele Menschen dafür, dass es ein Miteinander der sog. „Schulmedizin“ und „Komplementär-“ oder auch „Naturmedizin“ gibt – eben eine „Integrative Medizin“. [1]

Integrative Medizin – besonders für Kinder

Den Methoden der Integrativen Medizin wird v.a. nachgesagt, dass sie sanft und dabei keine bzw. wenig Nebenwirkungen zeigt. Das trifft auch auf die Osteopathie zu. In einer Studie haben Experten untersucht, wie gewünscht diese Methoden bei den Eltern sind [2].

Das Ergebnis war verblüffend: Fast die Hälfte der Befragten nutzen bereits Angebote wie Homöopathie, Osteopathie und Phytotherapie – und nahezu 90 % forderten, dass die Angebote der Integrativen Medizin in Deutschland ausgebaut werden sollten.

Osteopathie – vom Kinderwunsch zum Kleinkind

Eine Forsa-Umfrage aus dem letzten Jahr zeigt, dass die Osteopathie bei den Eltern immer beliebter wird: Demnach waren über ein Viertel der Befragten mit ihren Kindern (0 bis 19 Jahren) bereits in osteopathischer Behandlung. Dabei kann die Osteopathie auch schon bei Kinderwunsch helfen [3, 4]: z.B. bei Vernarbungen und Verwachsungen, Blockaden im Beckenbereich oder Endometriose [5, 6]. Ebenso können Osteopathinnen und Osteopathen Schwangere unterstützen, z.B. bei Rückenschmerzen, Sodbrennen und Übelkeit [7] sowie um den Körper auf die Geburt vorzubereiten [8].

Einige Kliniken in Deutschland bieten bereits eine erste osteopathische Behandlung kurz nach der Geburt an. „Das finde ich wichtig“, sagt BVO-Mitglied Birgit Reiter, die sich auf Osteopathie bei Kindern und Jugendlichen spezialisiert hat. Denn schon der Osteopathie-Begründer Andrew Taylor Still wusste: „A good result on a child is a result by the double.” Für Birgit Reiter bedeutet das, dass jede Läsion, jede körperliche Blockade, die Osteopathinnen und Osteopathen beim Baby oder Kleinkind lösen, sich im Verlauf des Wachstums und der Entwicklung doppelt für das Kind auszahlt. „Beispielsweise kann sich eine Schädelasymmetrie, die früh behandelt wird, nicht in das System „einwachsen“ und somit steht der gleichmäßigen Entwicklung von Kieferknochen, Gehörgängen und Nasennebenhöhlen nichts im Wege“, fügt sie hinzu.

Osteopathische Unterstützung für Jugendliche

Hormonschwankungen, Wachstums- und Spannungskopfschmerzen zählen zu den meisten Beschwerden bei Jugendlichen, die zu Birgit Reiter kommen. Auch hier liefert die Osteopathie Techniken, die den Patientinnen und Patienten helfen.

„Bei Wachstumsschmerzen ist es bspw. wichtig, die Knochenhaut zu stimulieren, da sie unter Spannung gerät, wenn der Knochen zu schnell wächst“, erklärt das BVO-Mitglied. Diese Technik könnten dann Eltern auch selbst zuhause durchführen – nach voriger Anleitung.

Während Spannungskopfschmerzen bei Jugendlichen häufig mehrere Ursachen haben können: „Der Gesichtsschädel erfährt in der Zeit bis ca. zum 20. Lebensjahr seine volle Ausdehnung. Gleichzeitig ist das die Zeit, in der oft kieferorthopädische Behandlungen stattfinden und dadurch besondere Kräfte auf den Schädel einwirken.

Hinzu können schulische Belastungen in Form von körperlichen Fehlhaltungen durch das viele Sitzen kommen, psychischer Schulstress kann die Spannung im Kopfbereich auch erhöhen“, weiß Birgit Reiter. Hier kämen dann osteopathische Techniken zum Einsatz, die u.a. Spannungen ausgleichen und die tiefliegenden Faszien lösen.

Außerdem fügt sie hinzu: „Ein Ausgleich des vegetativen Nervensystems über ein gezieltes osteopathisches Arbeiten an den Nervenbahnen kann dabei helfen, hormonelle Schwankungen in der Pubertät zu harmonisieren.“ Zudem zeige sich, dass Jugendliche, die regelmäßig Sport treiben, oft besser durch diese turbulenten Jahre kommen, weil hormonelle Dysbalancen vom Körper ausgeglichen werden können.

Kinderosteopathie hilft

Osteopathinnen und Osteopathen, die sich auf Kinder spezialisiert haben, haben eine zusätzliche Ausbildung [9] abgeschlossen und werden von uns mit dem Siegel für Kinderosteopathie zertifiziert.

Dass dieser Fachbereich hilft, zeigte eine Studie aus 2019, die der BVO unterstützt hat [10, 11]: 5 der häufigsten Beschwerden von Neugeborenen konnten demnach durch eine osteopathische Behandlung verbessert werden. Mit rund 1.200 Teilnehmern ist die Studie der Akademie für Osteopathie (AFO) und des Deutschen Instituts für Gesundheitsforschung (DIfGF) damit eine der größten Studien zur Kinderosteopathie weltweit.

Literatur:

  1. https://www.weils-hilft.de/informieren/zahlen-und-fakten#was-bedeutet-eigentlich-integrative-medizin
  2. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34246995/
  3. https://bv-osteopathie.de/2019/12/02/osteopathie-alternative-behandlungsmethode-bei-unerfuelltem-kinderwunsch/
  4. https://bv-osteopathie.de/2020/10/05/osteopathie-bei-kinderwunsch-schwangerschaft-und-babys/
  5. https://bv-osteopathie.de/2022/02/28/osteopathie-endometriose/
  6. https://bv-osteopathie.de/2022/03/08/endometriose-und-osteopathie/
  7. https://bv-osteopathie.de/2020/07/30/osteopathie-bei-schwangerschafts-beschwerden/
  8. https://bv-osteopathie.de/2020/11/14/osteopathie-in-der-schwangerschaft/
  9. https://bv-osteopathie.de/kinderosteopathie/
  10. https://bv-osteopathie.de/2019/01/10/kinderosteopathie-studie/
  11. https://bv-osteopathie.de/wp-content/uploads/2019/01/PresseInformation-OSTINF-Studie-1.pdf

Quelle: Bundesverband Osteopathie e.V.