Soziale Bindungen sind bei sozialen Lebewesen wie Menschen und anderen Primaten für eine gute Gesundheit und das Wohlbefinden von Bedeutung. Auch spielt das Mikrobiom des Darms durch die sogenannte Darm-Hirn-Achse bei der körperlichen und psychischen Gesundheit eine Schlüsselrolle. So werden Bakterien zum Beispiel über Berührungen sozial übertragen. Eine Studie unter der Leitung der University of Oxford hat an Rhesusaffen, Macaca mulatta, untersucht, wie sich soziale Verbundenheit sich auf die Zusammensetzung und Diversität des Mikrobioms des Darms auswirkt.

Rhesusaffen
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Mehr nützliche Mikroorganismen

Laut Forschungsleiterin Katerina Johnson verfügen geselligere Affen über eine größere Menge an nützlichen Darmbakterien und über eine geringere Menge an möglicherweise krankmachenden Bakterien. Die Forscherin hat sich auf eine einzelne soziale Gruppe aus 22 Männchen und 16 Weibchen konzentriert. Die Affen waren zwischen sechs und 20 Jahre alt. Sie leben auf der Insel Cayo Santiago vor der Ostküste von Puerto Rico. Die Rhesusaffen wurden erst 1938 auf der Insel angesiedelt. Heute leben mehr als 1.000 Affen auf der 15,2 Hektar großen Insel, die sich in verschiedene Gruppen aufteilen.

Die frei lebenden Tiere werden jeden Tag aber auch mit Futter versorgt. Beobachtungsstudien werden jedes Jahr durchgeführt. Zwischen 2012 und 2013 haben die Wissenschaftler insgesamt 50 nicht verunreinigte Stuhlproben der Affengruppe gesammelt und ausgewertet. Als Maßstab für die soziale Verbundenheit nutzten die Forscher die Zeit, die jedes Tier 2012 und 2013 mit der gegenseitigen Körper- und Fellpflege verbrachte, sowie die Anzahl der Grooming-Partner.

Das Team um Johnson und Karli Watson von der University of Colorado Boulder hat die DNA-Sequenzierungsdaten aus den Stuhlproben analysiert, um die Zusammensetzung und Diversität der mikrobiellen Gemeinschaft im Darm festzustellen und den Zusammenhang mit der sozialen Verbundenheit zu untersuchen – Geschlecht, Alter, Spielzeit und der Rang innerhalb der Hierarchie der Gruppe inklusive. Der Fokus lag auf Mikrobiomen, bei denen bereits mehrfach nachgewiesen wurde, dass sie bei Menschen und Nagetieren mit Autismus-ähnlichen Symptomen oder bei sozialer Deprivation auftreten.

Wechselwirkung Psyche und Darm

Zu den Bakterien, die bei den sozialsten Affen häufiger auftraten, gehörten Faecalibacterium and Prevotella. Im Gegensatz dazu verfügten die am wenigsten sozialen Affen über mehr Streptokokken. Diese Bakterien führen beim Menschen zu Krankheiten wie Hals- und Lungenentzündung. Faecalibacterium hingegen verfügt über starke entzündungshemmende Eigenschaften und wird laut Johnson mit einer guten Gesundheit in Zusammenhang gebracht. Details wurden in Frontiers in Microbiology veröffentlicht.

„Die Beziehung zwischen sozialem Verhalten und mikrobiellem Reichtum könnte das direkte Ergebnis der sozialen Übertragung von Mikroben zum Beispiel durch das Grooming sein. Es könnte sich dabei aber auch um eine indirekte Wirkung handeln – nämlich, dass Affen mit weniger Freunden gestresster sein könnten und die Fülle der Mikrobe dadurch beeinflusst wird. So wie das Verhalten das Mikrobiom beeinflusst, gibt es auch eine wechselseitige Beziehung, bei der das Mikrobiom Gehirn und Verhalten betreffen kann“, heißt es.

Originalpublikation: Johnson KV et al. Sociability in a non-captive macaque population is associated with beneficial gut bacteria. Front Microbiol 2022. https://doi.org/10.3389/fmicb.2022.1032495

Quelle: pressetext.redaktion