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Wissenschaftler entdeckten, wann positive Immunreaktionen zum Nachteil werden.

Die menschliche Natur ist genial. Sie hat für alle Eventualitäten eine Lösung. Außerdem ist sie hochintelligent. So kann sich das Immunsystem an frühere Infektionen des Organismus beispielsweise durch Viren erinnern und dadurch schneller und schlagkräftiger reagieren.

Ein Mann auf einem Berg hält einen Bumerang, der das Immunsystem symbolisieren soll.
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Diese Fähigkeit wurde bislang dem erworbenen Immunsystem zugeschrieben. Aber auch das angeborene Immunsystem ist dazu in der Lage. Man spricht vom Gedächtnis des angeborenen Immunsystems, auch trainierte Immunantwort genannt.

Nach den neuesten Erkenntnissen beruht die antrainierte Immunantwort auf einer Veränderung von Vorläuferzellen der Immunzellen im Knochenmark. Es ist in der Lage, Tumorwachstum zu hemmen. Eigentlich eine gute Sache. Doch sie hat auch eine Kehrseite.

Ein Forscherteam aus Pennsylvania und Dresden hat am Beispiel der Parodontitis herausgefunden, dass dieser positive Mechanismus leider auch eine Anfälligkeit für andere Erkrankungen, wie die Arthritis, erhöht.

Die Entzündung des Zahnfleisches induziert eine antrainierte Immunantwort in Vorläuferzellen von Immunzellen im Knochenmark. Die Untersuchungen ergaben, dass myeloische Zellen des angeborenen Immunsystems – Monozyten und Neutrophile – sich an vorausgegangenen Entzündungen erinnern. In der Folge sind sie reaktionsfreudiger, was dazu führen kann, dass entzündliche Erkrankungen sich verschlimmern.

Außerdem entdeckten die Forscher sogenannte epigenetische Modifikationen. Sie verändern die Aktivität von bestimmten Genen. Sie fanden bei den durch die Parodontitis verursachten epigenetischen Veränderungen in den Vorläuferzellen des Knochenmarks Signaturen der Entzündungsreaktion.

Die Forscher wiesen im Tiermodell nach, dass die antrainierte Immunantwort möglicherweise ursächlich für die Wechselwirkung zwischen der Parodontitis und der Arthritis ist. Es soll in der Zukunft untersucht werden, ob dieser Zusammenhang auch für eine Vielzahl anderer Folgeerkrankungen zutrifft.

Originalpublikation:

Li X et al. Maladaptive innate immune training of myelopoiesis links inflammatory comorbidities. Cell. 2022 May 12; 185(10): 1709-1727.e18. Doi: 10.1016/j.cell.2022.03.043

Quelle: idw-online / Technische Universität Dresden

Der Autor: Michael Petersen, Redaktion Medizin & Wissenschaft, Redaktionswebseite: mediportal-online.eu